DAS missverstandene Gefühl
Teil 2: Lösungen
Was vor 100.000 Jahren noch hilfreich war, ist heute eine echte Plage. Natürlich hat „Stress“ – wie wir diesen inneren Druck heute nennen – unseren Vorfahren gut gedient, sie befähigt, trotz fehlendem Verstand zu überleben.
Doch die Steinzeit ist vorbei! Die Rahmenbedingungen haben sich verändert! Das Gehirn hat sich weiterentwickelt! Der moderne, hochentwickelte Verstand ist in der Lage, schnell und angemessen zu reagieren. Jedoch NUR, wenn er nicht von Stresshormonen behindert wird. NUR dann steht all das zur Verfügung, was wir benötigen, wenn es herausfordernd, hektisch, unangenehm oder gar gefährlich wird: Klares, vorausschauendes Denken (um Konsequenzen einzuschätzen). Blitzschnelles Analysieren. Situationsgerechtes, schnelles Reagieren.
Stresshormone = „Gefahr!“
Egal, ob wir zu einem belastenden Gefühl „Wut“ – „Ärger“ – „Befürchtung“ – „Sorge“ – „Zweifel“ o.a. sagen. Für unser Gehirn sind es immer nur Stresshormone. „Alarm! Körper auf Überleben vorbereiten!“ ist nun die angebrachte Reaktion. Sobald wir eine Situation als „unangenehm“ definieren, werden die steinzeitlichen Stresshormone aktiviert und es geht für das Gehirn ums Überleben. Doch wir können dem entgegenwirken.
Drei AlltagsWUNDER
Einerseits ist es mit professionellem Training möglich, der Steinzeit – wie Toni im Südsudan – in Sekundenbruchteilen Paroli zu bieten. Erfreulicherweise gibt es auch beruhigende Hilfsmittel, die ohne Training mehr Gelassenheit in unser Leben bringen:
1. HaltungsWUNDER
Die wichtigste Informationsquelle für unser Gehirn zur aktuellen Gefahrenlage ist unsere persönliche Bewertung. Aber auch mit Hilfe unseres Körpers ist es möglich, dem Gehirn zu signalisieren, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Eine stabile Körperhaltung gibt dem Hirn diese beruhigende Information: Aufrechte Haltung. Schultern gerade. Kinn parallel zum Boden. Sohlen liegen flächig auf.
Studien der Harvard University und meine eigenen Untersuchungen zeigen, welch starken Einfluss die Haltung auf unsere Körperchemie hat: Ein sicherer Stand aktiviert „Power-Hormone“ und reduziert Stresshormone. Ein unsicherer Stand hingegen bewirkt das Gegenteil. Jedoch nur dann, wenn die jeweilige Körperhaltung zwei Minuten oder länger eingenommen wird. Mit bewusstem Aufrichten senden wir Signale von Sicherheit an das Gehirn. Und wir wirken selbstbewusster und präsenter.
2. BewegungsWUNDER
Auch unser Gehstil nimmt Einfluss auf das Gehirn. Ist mein Gang hektisch oder entspannt? Bewegen sich meine Arme natürlich mit oder hängen sie angespannt an den Seiten? „Alles o.k.“ oder „Gefahr!“ sind die Botschaften an das Gehirn.
Ein angespannter, hektischer Gang stellt somit eine potenzielle Stressquelle dar. Diese kann jedoch leicht mit bewusstem Abrollen der Sohle (von der Ferse zu den Zehen hin) und bewusster Bewegung der Arme (wie es die Natur in „Friedenszeiten“ vorgesehen hat) entschärft werden.
3. AtemWUNDER
Wird der Körper von Stresschemie geflutet, verändert das den Atem. Er stockt, wird flacher oder schneller. Wer auch in unangenehmen Situationen bewusst ruhig und entspannt weiteratmet, signalisiert dem Gehirn „Alles o.k.“, was entspannen und beruhigen wird und damit handlungsfähiger macht.
Natürlich ist es keine große Neuigkeit, dass entspanntes Atmen beruhigt – und doch wird es im Alltag kaum genutzt.
Fazit
Seien Sie wachsam. Wenn Sie bemerken, dass ein flaues Gefühl im Bauch rumort, dass sich die Atmung zu verändern, der Herzschlag zu beschleunigen beginnt, dass klares Denken schwierig wird, dann nutzen Sie diese Information, die Ihnen nun Ihr Körper gibt. Als Hinweis dafür, dass Sie gerade eine Körperchemie entwickeln, die den Umgang mit der Situation erschweren wird, bzw. als Aufforderung zu einer sinnvollen Veränderung.
Julia mit ihrer starken Prüfungsangst, die zu meiner Klientin wurde, hat dies getan und so im zweiten Anlauf den Prüfungsraum als frischgebackene Steuerberaterin verlassen. Danach meinte sie: „Kein Vergleich zum ersten Versuch. Kein rasendes Herz, keine Panikgefühle. Es ging mir richtig gut!“
Eine ebenso gute und erfüllte Zeit wünscht
Der GefühlsLOGIKER