gefühlsLOGISCHE Gedanken
von Gerhard F. Schadler

DAS missverstandene Gefühl
Teil 1: Das Problem
Julias Körper ist wie erstarrt. Es schnürt ihr die Kehle zu. Ihr Herz rast. Monatelang hatte sie sich auf ihre Steuerberaterprüfung vorbereitet. Doch jetzt war sie nicht in der Lage, das Erlernte in Worte zu fassen. Ihre Angst vor den Prüfern, die als besonders kritisch galten, machte es ihr unmöglich, klar zu denken. Ergebnis: Durchgefallen!
Der schlechte Ratgeber
Der Volksmund (= Praxiserfahrung) meint nicht umsonst, dass Angst ein schlechter Ratgeber sei. Ganz im Gegensatz zu den vielen Theoretikern, die nicht müde werden zu behaupten, dass Angst das Überleben sichern soll. Bei Julia ging es zwar nicht ums Überleben. Doch ihr Beispiel zeigt, wie Angst den Alltag erschwert. Aber hilft dieses intensive Gefühl zumindest dann, wenn es tatsächlich ums Überleben geht?
Extreme Erfahrungen
Toni, einer meiner Klienten – ein engagierter Projektleiter bei den Vereinten Nationen –, befand sich im Kriseneinsatz im Südsudan. Er war mit seinem Dienstwagen auf dem Weg in die Hauptstadt des Landes.
Mitten im Nirgendwo fiel plötzlich ein Schuss. Ein Loch in der Windschutzscheibe macht klar, dass man es auf ihn abgesehen hat. Gab es doch Menschen im Land, welche die UN als Eindringling empfanden. Mit dem weißen Geländewagen mit übergroßen UN-Buchstaben an der Seite war Toni schon von Weitem als solch ein „Eindringling“ erkennbar.
Die Kugel hat ihn nur knapp verfehlt. Wenn er überleben will, muss er so schnell wie möglich weg von hier. Der Profi schafft es, seine Angst zu bezwingen. Mit Vollgas gelingt es ihm, das Fahrzeug aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Danach meint er: „Wäre ich in Panik geraten, hätte ich vielleicht den falschen Gang eingelegt oder die Pedale verwechselt, damit den Motor abgewürgt und so mein Fahrzeug zum Stillstand gebracht, was mein sicherer Tod gewesen wäre.“
Seit Jahren helfe ich Menschen wie Toni, sich auf ihre anspruchsvollen Einsätze vorzubereiten. Und alle Erfahrungen zeigen: Auch in gefährlichsten Situationen überlebt man ohne Angst besser.
Ursprünge eines starken Gefühls
Doch auch jene, die behaupten, dass Angst das Überleben sichert, haben recht. Jedoch NUR, wenn der Blick weit zurück gerichtet wird. Seit der frühesten Epoche der Menschheitsgeschichte – der Steinzeit – ist es die Hauptaufgabe unseres Gehirns, unser Leben zu schützen.
Seit Urzeiten reagiert das Gehirn instinktiv, ohne viel nachzudenken, auf jede Gefahr. Denn nachzudenken, wenn es kritisch wird, war für den frühen Menschen äußerst gefährlich. Sein Denkhirn (Großhirn) war noch nicht voll entwickelt. Einen leistungsfähigen Verstand zum blitzschnellen Einschätzen der Lage und schnellen Reagieren gab es noch nicht. So übernahmen in gefährlichen Momenten die älteren, gut entwickelten Hirnteile diesen Job. Doch deren Möglichkeiten sind nur auf steinzeitliches Handeln beschränkt: Kämpfen oder flüchten steht zur Wahl. So war es unseren primitiven Vorfahren auch mit beschränktem Verstand möglich, schnell zu reagieren, wenn es mal gefährlich wurde.
Wie Angst entsteht
Ständig versucht unser Gehirn, die aktuelle Gefahrenlage einzuschätzen. Ist uns etwas nicht geheuer, wird diese subjektive Sichtweise vom Gehirn als „Gefahr“ interpretiert. Sofort werden Stresshormone aktiviert, was als Angst/Druck spürbar wird. Ab jetzt wird alles in uns auf einen körperlichen Konflikt vorbereitet:
- Das klare Denken wird von Stresshormonen blockiert – unsere Vorfahren sollten schließlich keine Zeit mit ihrem langsamen Denken verschwenden.
- Der Darm stellt seine Arbeit ein (= flaues Gefühl im Magen) – fürs steinzeitliche Agieren sollte mehr Energie zur Verfügung stehen.
- Auch Herzschlag, Blutdruck und Schweißproduktion steigen, Muskeln verspannen sich, die Atmung verändert sich.
Das machte aggressives Handeln leichter, um den urzeitlichen Gefahren zu begegnen – führt heute jedoch nur zu kopflosem, unangemessenem und völlig unpassendem Verhalten (und macht krank).
Die Lösung: AlltagsWUNDER
Wie Sie mit einfachsten Mitteln professioneller agieren und mehr Gelassenheit in Ihren Alltag bringen können, das erfahren Sie hier: Zum Teil 2
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